Innovation im Praxistest
Wie Pilotanlagen Innovation marktfähig machen
Innovation beginnt mit Verständnis
Innovation beginnt nicht im Labor – sie beginnt mit dem Verständnis von Kundenprozessen, Marktdynamiken und regionalen Anforderungen.

Bei der Emsland Group basiert Forschung und Entwicklung auf genau diesem Fundament. Das Innovation Center in Emlichheim bildet dabei das technische Herzstück und ist in ein globales Netzwerk eingebunden, das kontinuierlich Marktinformationen in die Entwicklungsarbeit einfließen lässt.
Das Ziel ist klar: funktionelle Zutaten – Stärken, Proteine, Fasern, Flocken und Granulate – zu entwickeln, mit denen Kunden ihre eigenen Produkte verbessern und weiterentwickeln können. „Kunden suchen nicht nach Innovation um ihrer selbst willen“, sagt Andre Heilemann, Leiter der F&E. „Sie suchen nach Lösungen, die in ihren Prozessen zuverlässig funktionieren.“
Von Rohstoffen zu funktionalem Mehrwert
Jede Entwicklung beginnt mit einer einfachen Frage: Wie können Rohstoffe so verarbeitet werden, dass sie einen höheren funktionalen Mehrwert bieten?

Das kann die Optimierung bestehender Produkte, die Verfeinerung spezifischer Funktionalitäten oder die Entwicklung völlig neuer Zutaten sein, die auf Marktanforderungen zugeschnitten sind. Unsere Stärken – gewonnen aus Kartoffeln, einschließlich Waxy-Kartoffeln, sowie aus gelben Erbsen – bieten beispielsweise ein breites Spektrum an Leistungseigenschaften: von stabiler Verdickung, guter Klarheit und hoher Viskosität bis hin zu niedriger Prozessviskosität und unterschiedlicher Gelbildung. Mithilfe verschiedener Modifikationstechnologien können wir die Eigenschaften der Stärke präzise an spezifische Anwendungsanforderungen anpassen.
Im Fokus steht dabei stets die zuverlässige Leistungsfähigkeit unserer Produkte – damit Eigenschaften wie Viskosität, Textur und Bindungsverhalten konstant und reproduzierbar bleiben. Auch ernährungsphysiologische Aspekte, wie Ballaststoff- oder Proteinanreicherung, müssen messbar und stabil sein.
Die Pilotanlage: Die Brücke zwischen Entwicklung und Produktion
Ein entscheidender Bestandteil des F&E-Ansatzes der Emsland Group ist die Pilotanlage, die kürzlich durch eine bedeutende Investition modernisiert wurde. Als verkleinerte Nachbildung der industriellen Produktion ermöglicht sie die Entwicklung und Optimierung von Produkten und Prozessen unter Bedingungen, die der großtechnischen Fertigung sehr nahekommen.

Zu den neuesten Ergänzungen gehört eine neue Mahlanlage, die den Umfang der Entwicklungsarbeit erweitert. Neben der Verarbeitung von Flocken kann das System auch andere Rohstoffe wie Erbsen vermahlen und Versuche mit völlig neuen Rohstoffen unterstützen. Dadurch erhält das F&E-Team mehr Flexibilität, um neue Konzepte zu erforschen.
Ein neuer, moderner Extruder spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in der Entwicklung. Er ermöglicht die Herstellung von Lebensmittelzutaten mit maßgeschneiderten Funktionalitäten und wird zugleich für Produkte in technischen Anwendungen eingesetzt, beispielsweise für Klebstoffe für Papiersäcke.
Die Investition geht weit über einzelne Maschinen hinaus. Neben neuer Prozesstechnik wurde die Pilotanlage auch baulich modernisiert – unter anderem durch neue Bodenbeläge und die Installation eines modernen Klimasystems. Diese Verbesserungen schaffen eine stabilere Testumgebung und ermöglichen eine präzisere Steuerung von Prozessparametern wie Temperatur, Scherkräften und Reaktionszeiten.
Darüber hinaus unterstützt die Investition den laufenden Food-Grade-Zertifizierungsprozess des Standorts, der voraussichtlich in Kürze abgeschlossen wird. Dadurch wird die Fähigkeit der Pilotanlage weiter gestärkt, Muster unter realistischen Bedingungen für direkte Kundentests herzustellen.
Vom Labor zur Fabrik – ein strukturierter Weg
Unsere Produktentwicklung folgt einem klaren Ablauf: Labor → Pilotanlage → Industrielle Produktion
Erste Konzepte werden im Labormaßstab entwickelt und anschließend in die Pilotanlage überführt, wo sie unter produktionsnahen Bedingungen getestet werden. Nur validierte Prozesse gehen in großtechnische Produktionsversuche über.

Dieser Schritt schafft frühzeitig Klarheit über:
– Skalierbarkeit
– technische Grenzen
– Optimierungspotenziale
Durch Tests unter realistischen Prozessbedingungen können Anpassungsmöglichkeiten frühzeitig erkannt werden, bevor industrielle Versuche beginnen. Das reduziert Risiken, verkürzt Entwicklungszeiten und verbessert die Effizienz.
Dabei geht es sowohl um Produkt- als auch um Prozessentwicklung – von der Entwicklung neuer funktioneller Zutaten bis hin zur Verbesserung der Effizienz und Reduzierung des Energieverbrauchs in der Produktion.
Engineering-Kompetenz aus dem eigenen Haus
Die Engineering-Abteilung des Unternehmens entwickelt gemeinsam mit dem Instandhaltungsteam von Emsland Service spezialisierte Anlagen im eigenen Haus – ein Vorteil, der sich insbesondere bei der Modernisierung der Pilotanlage als wertvoll erwiesen hat.
Diese Expertise ermöglicht hochgradig individuelle Lösungen und eine präzise technische Feinabstimmung, sodass die neuen Systeme großtechnische Produktionsprozesse möglichst genau abbilden. Das Ergebnis: mehr Flexibilität, schnellere Anpassungen und verlässlichere Entwicklungsergebnisse.

Anwendungsorientierte Innovation
Erfolgreich in der Pilotanlage entwickelte Produkte sind kein Selbstzweck – sie bilden die Grundlage für Lösungen beim Kunden. Ob es darum geht, auf Markttrends zu reagieren, Rezepturen zu optimieren oder die Produktion effizienter zu gestalten – diese Zutaten eröffnen neue funktionale Möglichkeiten.
So kann der moderne Extruder beispielsweise genutzt werden, um kaltwasserlösliche funktionelle Stärken mit maßgeschneiderten Eigenschaften für Anwendungen wie Instant-Suppen, Saucen, Backfüllungen oder Milchalternativen zu entwickeln.
Im Vergleich zu herkömmlichen Trommel- oder Sprühtrocknungsverfahren bietet dieser Prozess einen nachhaltigeren Ansatz und liefert dennoch die spezifischen Funktionalitäten, die Kunden benötigen, um neue Produktkonzepte zu entwickeln oder bestehende Rezepturen zu verbessern.
Eine enge Zusammenarbeit stellt sicher, dass diese Zutaten effektiv in die Prozesse der Kunden integriert werden können. Durch die Kombination aus Produktentwicklung und technischer Unterstützung hilft die Emsland Group dabei, Funktionalität in praktische Ergebnisse zu übersetzen.

Zusammenarbeit ohne Grenzen
Die Entwicklung wird durch ein globales Netzwerk unterstützt.
Teams in Thailand, Singapur, der Türkei, den USA, dem Vereinigten Königreich und Dubai bringen regionale Marktkenntnisse ein, die direkt in die F&E-Aktivitäten integriert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass Entwicklungen nicht nur technisch fundiert sind, sondern auch den Anforderungen lokaler Märkte entsprechen.
Fokus auf das Wesentliche
Das Leitprinzip bleibt klar: Innovation muss praxisnah, skalierbar und wirtschaftlich tragfähig sein.
Investitionen in Pilotanlagen ermöglichen nicht nur die Entwicklung neuer Produkte – sie geben Kunden auch die Werkzeuge an die Hand, ihre eigenen Innovationen voranzutreiben.
Denn letztlich wird Innovation nicht an ihrer Komplexität gemessen, sondern an dem Mehrwert, den sie in der realen Produktion schafft.
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