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Deutschlands erstes Strohheizkraftwerk nimmt demnächst in Emlichheim seinen Betrieb auf. Annähernd 60.000 Tonnen Stroh wird es jährlich verbrennen. Mit seiner Wärme wird es neben der Emsland-Stärke GmbH und Einrichtungen der Kommune auch Privathaushalte versorgen.

 

Der Kessel des Bioenergiekraftwerks Emsland läuft bereits seit dem Sommer. Doch noch befindet sich die Anlage in Emlichheim im Probebetrieb. Derzeit arbeiten die rund 20 Mitarbeiter des Betreibers BEKW Bioenergiekraftwerk Emsland noch an der Feinjustierung der komplexen Anlage. Bald soll es so weit sein: Deutschlands erstes Strohheizkraftwerk startet offiziell seinen Betrieb.

 

„Wir haben rund 6000 Messstellen im Kraftwerk", erzählt der zuständige Ingenieur Rainer Knieper. Anhand der gewonnenen Werte fände die Feineinstellung der Anlage statt. „Sie können sich das vorstellen wie das Einstellen eines Motors", erklärt er. Eines der Ergebnisse: Die Emisionsgrenzwerte für Staub liegen mit 0,1 bis 0,6 Milligramm pro Normkubikmeter weit unter dem vorgeschriebenen Höchstwert von 20.

 

Hauptabnehmer werden die Emsland-Stärke GmbH sowie die Kommune Emlichheim und der Evangelische Krankenhausverein sein. Unter anderem werden mit der „grünen" Wärme das Rathaus, die Grundschule und das Schulzentrum versorgt. Außerdem sind bereits rund 150 Haushalte an das Nahwärmenetz des Kraftwerks angeschlossen. Mittlerweile hat das Netz eine Länge von rund 30 Kilometern.

 

Die Idee, ein Kraftwerk zu bauen, das alleine mit dem Rohstoff Stroh arbeitet, wurde bereits vor knapp zehn Jahren geboren. Eigentlich war die Inbetriebnahme bereits für Ende 2012 geplant. Doch die Umsetzung geriet in der Vergangenheit oft ins Stocken.

 

Technische und gesetzliche Rahmenbedingungen mussten geschaffen und die Finanzierung gestemmt werden.

 

Zwar erhielt die BEKW Ende 2008 die Bau- und Betriebsgenehmigung für das Strohheizkraftwerk, doch der Bau ließ bis Februar 2011 auf sich warten. Erst als 2009 Stroh „buchstäblich" als Rohstoff in die Liste des EEGs (Erneuerbare-Energien-Gesetz) aufgenommen wird, kann das Projekt an Fahrt aufnehmen. Nun heißt es für die Initiatoren, die Finanzierung zu gewährleisten. Veranschlagt werden 56 Millionen Euro für Deutschlands erstes Strohheizkraftwerk. Im September 2010 erhält der Betreiber die Zusage einer Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro vom Bundesministerium für Umwelt. Kurze Zeit später folgt die Landesbürgschaft Niedersachsens für das Projekt. Wie viel der Bau des Kraftwerks am Ende tatsächlich gekostet hat, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Während der Errichtung hatten die Planer noch Änderungen vorgenommen, um die Versorgung im Nahwärmenetz zu optimieren.

 

Dass alleine mithilfe des Rohstoffs Stroh eine Kesselleistung von rund 50000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt wird, sei bis jetzt einzigartig in Deutschland, so Knieper. „Weitere Kraftwerke solchen Ausmaßes gibt es unter anderem noch in Dänemark, England und Spanien", weiß der Ingenieur. Die Besonderheit der deutschen Ausgabe: Es können Großballen mit verschiedenen Höhen verarbeitet werden. In den anderen Werken muss eine festgelegte Standardgröße verwertet werden.

 

Damit die Versorgung mit Stroh gewährleistet ist, wurden bereits vor Jahren Verträge mit Lieferanten geschlossen. Der Großteil kommt aus dem Münster- und Emsland. „Ungefähr 60.000 Tonnen Stroh benötigt das Kraftwerk pro Jahr", sagt Knieper und veranschaulicht: „Das ist ein Fußballfeld voll Quaderballen 60 Meter hoch gestapelt." Pro Stunde sind das rund zwölf Tonnen Stroh, die bei Volllastbetrieb verbrannt werden. In der Regel wird die Anlage jedoch im Teillastbetrieb gefahren.

 

Vor der großen Lagerhalle stapeln sich bereits Hunderte von Quadern. Aufgrund der Verträge musste das Kraftwerk bereits Ende 2012 Lieferungen entgegennehmen. Dabei spielen bei der Verwertbarkeit des Strohs als Brennstoff verschiedene Kriterien eine Rolle. Nicht alles eignet sich als Rohstoff zur Energiegewinnung. „Wir sind keine Müllverbrennungsanlage", betont Knieper. Viele würden meinen, dass man das gute Stroh für die Tiere nehmen könne und das schlechte einfach zum Verbrennen. Doch für die Nutzung als Rohstoff darf das Stroh zum einen nicht zu feucht sein, zum anderen muss es fest verschnürt sein. Lose kann es nicht verwertet werden.

 

Aber mit der Gewinnung von Wärme endet der Kreislauf der Strohverbrennung in Emlichheim nicht. Das „Abfallprodukt Asche" wurde in die Düngemittelverordnung als zulässiger Stoff eingetragen. Außerdem erzeugt das Strohheizkraftwerk nicht nur Wärme: Auch elektrischer Strom wird gewonnen. Momentan arbeitet die BEKW daher an einem Konzept für die Stromdirektvermarktung, berichtet Ingenieur Rainer Knieper.

 

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung